Therapie bei Muko­viszidose

Lesedauer: 5 Minuten

Die Mukoviszidose-Therapie kann sich individuell aus verschiedenen medikamentösen und nicht-medikamentösen Bau­steinen zusammen­setzen. Auch wenn die Erkrankung nicht heilbar ist, ermöglichen moderne Behandlungs­methoden ein zunehmend längeres und selbst­bestimmteres Leben.

Zwei junge Männer klatschen sich vor einem blauen Hintergrund ab und lachen dabei.

Therapie bei Muko­viszidose

Zwei junge Männer klatschen sich vor einem blauen Hintergrund ab und lachen dabei.

Lesedauer: 5 Minuten

Die Mukoviszidose-Therapie kann sich individuell aus verschiedenen medikamentösen und nicht-medikamentösen Bau­steinen zusammen­setzen. Auch wenn die Erkrankung nicht heilbar ist, ermöglichen moderne Behandlungs­methoden ein zunehmend längeres und selbst­bestimmteres Leben.

Medikamentöse Therapie

Substitutionstherapien

Durch eine eingeschränkte Funktion der Bauchspeichel­drüse können vor allem Speise­fette nicht richtig verdaut werden. Daher ist bei jeder Nahrungs­aufnahme die Einnahme von Verdauungs­enzymen empfohlen. Der Enzym­bedarf richtet sich dabei nach der Menge des in der Mahl­zeit bzw. im Snack enthaltenen Fettes.

  • Allgemein werden 2.000-4.000 IE (internationale Einheiten) Lipase, ein fett­spaltendes Enzym, pro 1 g Nahrungs­fett empfohlen.

 

Die Start-Enzymmenge sollte mit dem Behandler/ der Behandlerin abgestimmt werden.

  • Eine zu geringe Enzym­menge erkennt man an nur teil­weise verdaut oder vollständig unverdaut ausgeschiedener Nahrung.
  • Weiterhin können typische Verdauungs­beschwerden wie Bauch­schmerzen und Blähungen sowie eine Gewichts­abnahme bei zu geringer Einnahme von Enzymen auftreten.

Durch die schlechte Aufnahme von fett­löslichen Vitaminen können in Absprache mit dem Behandler / der Behandlerin die Vitamine A, D, E und K supplementiert werden.

Durch einen möglichen erhöhten Salz­verlust durch hohen Schweiß­chlorid können Menschen mit Mukoviszidose in Absprache mit ihrem Arzt / ihrer Ärztin Elektrolyte einnehmen um ausreichend mit Salzen versorgt zu sein.

Mukolytika3

Mittels mukolytischer Therapie soll die Schleim­viskosität reduziert und die Lungen-Clearance verbessert werden. Durch die Einnahme der Präparate kommt es zur Verflüssigung vom Lungen-Sekret und zur Verbesserung der mukoziliären Clearance.

Zur inhalativen Anwendung stehen zur Verfügung

  • Dornase alfa (DNAse)
  • Hypertone Kochsalz­lösung (NaCl)
  • Mannitol

Bronchodilatatoren4

Bronchodilatatoren werden zur Erweiterung der Atem­wege und zur Verbesserung der Ventilation bei Menschen mit Mukoviszidose eingesetzt. Angewendet werden sie häufig zur Optimierung der Deposition anderer inhalativer Therapien. Unterschieden werden SABA (β2-Sympathomimetika) und SAMA (Anticholinergika).

Inhalative Antibiotika3

Um Infektionen der Lunge mit Erregern wie Pseudomonas aeruginosa und Staphylococcus aureus zu behandelt werden Antibiotika eingesetzt. Diese können entweder oral, inhalativ oder intravenös verabreicht werden. Dabei unterscheidet man eine Eradikations- und eine Suppressions­therapie mit Antibiotika. Mehr Informationen rund ums Thema Infektionen, Erreger und Therapie­schemata findest Du hier.

Verschiedene Wirkstoffklassen können zur Antibiose eingesetzt werden

  • Tobramycin
  • Colistin
  • Aztreonam
  • Levofloxacin


Der Einsatz des Antibiotikums hängt von verschiedenen Faktoren ab: handelt es sich um eine akute oder chronische Infektion, wurde der Patient / die Patientin vorher schon mit Anti­biotika behandelt, welcher Keim hat die Lunge infiziert und vieles mehr. Eine engmaschige Kontrolle der Keim­besiedlung durch die behandelnde CF-Ambulanz ist empfohlen.

Modulatoren3,5

Die Therapie mit CFTR-Modulatoren wird auch als kausale Therapie bezeichnet. Sie setzt direkt an der zugrunde liegenden Fehl­funktion des CFTR-Proteins an. Je nach Mutation können CFTR-Modulatoren die Funktion des Kanals verbessern oder teilweise wieder­herstellen. Die Auswahl des Modulators erfolgt abhängig von den vorliegenden Mutationen.

Folgende Modulatoren gibt es zur Mukoviszidose-Therapie

  • Ivacaftor
  • Lumacaftor / Ivacaftor
  • Tezacaftor / Ivacaftor
  • Elexacaftor / Tezacaftor / Ivacaftor
  • Deutivacaftor / Tezacaftor / Vanzacaftor

 

Der Einsatz von CFTR-Modulatoren hängt von der zugrunde liegenden CFTR-Mutation ab. Da diese Wirk­stoffe gezielt bestimmte Defekte des CFTR-Proteins korrigieren, kommen sie nicht für alle Menschen mit Mukoviszidose infrage. Für Betroffene mit seltenen Mutationen, bei denen die derzeit verfügbaren Modulatoren potentiell nicht wirken, werden weiterhin neue Therapie­ansätze erforscht.

Nicht-medikamentöse Therapie

Physiotherapie3

Ziele der physio­therapeutischen Behandlung sind

  • Unterstützung des Abhustens von zähem Schleim
  • Dehnung des Brust­korbs
  • Verbesserung von Wohl­befinden und Gesundheits­zustand von Menschen mit Mukoviszidose.

 

Es gibt eine Vielzahl an Atem- und Dehnungs­übungen, die kompetente Physio­therapeut*innen mit den Patient*innen sowie den Angehörigen individuell trainieren. Wichtig dabei ist eine tägliche Durchführung. Ein Haupt­bereich der Physiotherapie bei Mukoviszidose ist die Atem­therapie.

Atemtherapie3

Mit der Atemtherapie verfolgen die Behandler*innen das grundlegende Ziel, die „normale“ Atmung bestmöglich wieder­herzustellen und zu erhalten.

Prinzipiell soll zwei Veränderungen in der Lunge vorgebeugt bzw. gegen­gesteuert werden:

  • Verengung der Bronchien
  • Überblähung der Lunge

 

Für eine optimale Wirkung ist es wichtig, dass die Übungen korrekt ausgeführt werden. Kompetente Therapeut*innen sollten Menschen mit Mukoviszidose sowie Angehörige anleiten. Folgende Methoden können angewendet werden

  • Autogene Drainage (AD)
  • Assistierte autogene Drainage (AAD)
  • Active Cycle of Breathing Techniques (ACBT)
  • Technik nach Guy Positaux

Mehr Informationen zu den einzelnen Techniken findest Du hier.

Ernährungstherapie

Zur Sicherstellung eines optimalen Ernährungs­status werden Menschen mit Mukoviszidose bestimmte Ernährungs­weisen empfohlen. Dabei muss die Energie­zufuhr individuell und in Abhängigkeit der medikamentösen Therapie angepasst werden.

Weitere Informationen rund um das Thema Ernährung bei Mukoviszidose findest Du hier.

Versorgung und Transition

Menschen mit Mukoviszidose werden heute in spezialisierten Zentren betreut, in denen verschiedene Fach­richtungen eng zusammenarbeiten.6 Dazu gehören

  • Ärztinnen und Ärzte
  • Psycholog*innen
  • Physiotherapeut*innen
  • Ernährungsberater*innen
  • und weitere Fachkräfte

 

So wird sichergestellt, dass alle Aspekte der Erkrankung bestmöglich berücksichtigt werden und die Behandlung individuell angepasst ist:6

Ein wesentlicher Bestand­teil der Versorgungs­struktur ist die lebens­lange, kontinuierliche Betreuung. Da immer mehr Menschen mit Mukoviszidose das Erwachsenen­alter erreichen, ist ein guter Übergang von der Kinder- in die Erwachsenen­medizin besonders wichtig. Dieser Wechsel, auch Transition genannt, sollte sorgfältig vorbereitet und begleitet werden, damit die Behandlung ohne Unterbrechung weitergeführt werden kann.

Trotz der insgesamt hohen Versorgungs­qualität stellt die Transition weiterhin eine sensible Phase dar, in der organisatorische, psycho­soziale und medizinische Herausforderungen auftreten können. Ziel ist es, Betroffene Schritt für Schritt dabei zu unterstützen, ihre Therapie eigenständig zu managen und gleichzeitig weiterhin bestmöglich medizinisch begleitet zu werden. Eine enge Zusammen­arbeit zwischen Kinder- und Erwachsenen­medizin hilft dabei, Sicherheit zu geben und den Übergang so reibungs­los wie möglich zu gestalten.

Informationen zu den CF-Ambulanzen und CF-Zentren in Deutschland sowie deren Kontakte findest Du beim Muko e.V.

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Referenzen

  1. Freswick, Reid, Mascarenhas. Pancreatic Enzyme Replacement Therapy in Cystic Fibrosis. Nutrients 2022. 14(7):1341.
  2. Somaraju, Solis-Moya. Pancreatic enzyme supplements for people with cystic fibrosis. Cochrane Database of Systematic Reviews 2020. Issue 8. Art No:CD008227.
  3. Dittrich. Mukoviszidose – eine Erfolgsgeschichte der Kinderheilkunde. Monatsschr Kinderheilkd 6 2024. 172:494-503.
  4. Smith, Rowbotham, Edwards. Short-acting inhaled bronchodilators for cystic fibrosis. Cochrane Database of Systematic Reviews 2022. Issue 6. Art No: CD013666.
  5. Syunyaeva, Mall, Stahl. Mukoviszidose im Kindes- und Erwachsenenalter. Innere Medizin 6 2024, 65:539-544.
  6. Olivier et al. Transition bei Patienten mit Mukoviszidose und Asthma. Innere Medizin 6 025. 66:586-592.