Diagnose von Muko­viszidose

Lesedauer: 4 Minuten

Eine früh­zeitige Diagnose und eine direkt einsetzende Therapie können das Fort­schreiten des Verlaufs der Muko­viszidose und dessen Folge­schäden verzögern oder sogar verhindern.1,2,3

Ein junger Mann sitzt lächelnd auf einem Holzstuhl vor einem blauen Hintergrund; er trägt eine Sonnenbrille, ein buntes Hemd mit einer dunkelblauen Jacke, Jeans und Turnschuhe.

Diagnose von Muko­viszidose

Ein junger Mann sitzt lächelnd auf einem Holzstuhl vor einem blauen Hintergrund; er trägt eine Sonnenbrille, ein buntes Hemd mit einer dunkelblauen Jacke, Jeans und Turnschuhe.

Lesedauer: 4 Minuten

Eine früh­zeitige Diagnose und eine direkt ein­setzende Therapie können das Fort­schreiten des Verlaufs der Muko­viszidose und dessen Folgeschäden verzögern oder sogar verhindern.1,2,3

Neugeborenen­screening1,2,3,4

Seit dem 01. September 2016 kann in Deutsch­land nach Ein­willigung der Eltern jedes Neugeborene auf die angeborene Stoff­wechselerkrankung Muko­viszidose untersucht werden.

Beim Neugeborenen­screening werden zwei Enzyme – das immunreaktive Trypsin (IRT) und das Pankreatitis-assoziierte Protein (PAP) – im Blut untersucht. Diese Enzyme sind bei Muko­viszidose erhöht, was auf die Erkrankung hindeuten kann.

Eine weiter­führende Diagnose wird unter folgenden Umständen empfohlen:

  • wenn das Neugeborenen­screening positiv auf Muko­viszidose ausfällt
  • wenn bei Geschwistern Muko­viszidose vorliegt
  • bei mindestens einem weiteren klinischen Hin­weis auf Muko­viszidose wie chronischer Husten, Verdauungs­probleme etc.

Weiterführende Diagnostik­verfahren können von spezialisierten Muko­viszidose-Ein­richtungen durch­geführt werden.

Schweißtest1,2,4

Der Schweißtest gilt als sogenannter Gold­standard unter den Diagnose­verfahren und sollte in erfahrenen CF-Ambulanzen von geschultem Personal durch­geführt werden. Bei der Unter­suchung wird der Salzgehalt des Schweißes ermittelt, der bei Muko­viszidose typischer­weise erhöht ist.

Der Wirkstoff Pilocarpin wird zusammen mit einem Mullläppchen auf den Unterarm aufgetragen. Durch das Anlegen eines leichten elektrischen Stroms gelangt das Medikament in die Haut und regt die Schweiß­produktion an. Der Test ist risikoarm, schmerzfrei und auch für Säuglinge ab dem 3. Lebens­tag, idealer­weise jedoch ab dem 14. Lebens­tag, geeignet.

Nach ca. 30 Minuten ist der Test bereits abgeschlossen und aus­reichend Schweiß gesammelt. Die Auswertung von mindes­tens zwei unabhängigen Messungen kann folgendes ergeben

  • eine deutliche Erhöhung des Schweiß­chlorid-Wertes (> 60 mmol/L (Millimol pro Liter)), die zu einer in der Regel gesicherten Diagnose einer Muko­viszidose nach positivem NGS führt
  • ein niedriger Wert unter­halb von 29 mmol/l, dann ist eine Muko­viszidose unwahrscheinlich
  • ein Wert zwischen 30-60 mmol/l führt zur Anweisung weiter­führender Diagnostik zur eindeutigen Fest­stellung und dem Ausschluss der Muko­viszidose-Diagnose.

Sowohl nach einem un­klaren als auch bei einem positiven Schweiß­test wird anschließend ein Gentest emp­fohlen, um die Art der Mutation zu bestimmen.

Gentest2,4

Mit einem Gen­test kann ermittelt werden, welche Mutation (genetische Ver­änderung) am CFTR-Gen vorliegt.

Im Überblick

  • Es sind über 2.000 verschiedene Mutationen bekannt, wobei die am häufigsten vor­kommende die F508.del Mutation ist.
  • Der gängige Gentest unter­sucht die Proben auf die häufigsten Mutationen, die zu Muko­viszidose führen.
  • Das Wissen über die Mutation(en) kann bei der Auswahl der Medikamente helfen.

 

Eine human­genetische Beratung kann z.B. dann in Anspruch genommen werden, wenn eine erbliche Erkrankung wie z.B. Muko­viszidose bei sich selbst oder einem Familien­angehörigen vermutet wird bzw. bereits diagnostiziert ist. Die Kranken­kassen übernehmen für gesetzlich Versicherte die Kosten.

Manchmal führen sowohl der Schweiß-, als auch der Gentest zu keinen eindeutigen Ergebnissen. In diesem Fall sind elektro­physiologische Messungen wie eine Potential­differenzmessung empfohlen.

Potential­differenzmessung2

Die Potential­differenzmessung basiert auf den elektrischen Eigen­schaften von Salzionen.

Hinter­grund

Als Potential­differenz wird der Ladungs­unterschied zwischen Außen- und Innenseite der Körper­zelle bezeichnet. Inner­halb und außerhalb einer Körper­zelle baut sich jeweils eine elektrische Spannung zwischen den unter­schiedlich geladenen Ionen auf. Dieser Ladungs­unterschied kann mittels Elektroden gemessen werden. Bei Muko­viszidose-Patient*innen verbleiben aufgrund des defekten oder fehlenden Chlorid-Kanals mehr negativ geladene Chlorid-Ionen in der Zelle und es kommt zu einer stärkeren negativen Ladung der Zelle. Dies führt zu einer anderen Potential­differenz als bei gesunden und kann diagnos­tisch ein­gesetzt werden.

Elektro­physiologische Mess­methoden2,4

  • Nasale Potential­differenzmessung (nPD)
    Durch das Einführen eines kleinen Schlauchs in die Nase können die elektrischen Ströme an der Nasen­schleimhaut gemessen werden. Dadurch wird eine Aussage über die Funktion der CFTR-Kanäle möglich.

  • Intestinale Kurz­schlussstrommessung (ICM)
    Nach Entnahme eines kleinen Stücks Schleimhaut aus dem Enddarm wird dieses in einer speziellen Messkammer unter­sucht. Es können Rück­schlüsse auf die Funktion der CFTR-Kanäle getroffen werden.

Beide Methoden gelten als gut ver­träglich und er­lauben eine relativ sichere Diagnose­stellung oder einen Aus­schluss einer Muko­viszidose. Gleich­zeitig sind die aufwändig und werden nur in einigen Zentren durch­geführt.

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Referenzen

  1. Syunyaeva, Mall, Stahl. Mukoviszidose im Kindes- und Erwachsenenalter. Innere Medizin 6 2024, 65:539-544.
  2. Hammermann et al. Mukoviszidose – wenn die Diagnose unsicher bleibt. Monatsschr Kinderheilkd 6 2024. 172:510-518.
  3. Dittrich. Mukoviszidose – eine Erfolgsgeschichte der Kinderheilkunde. Monatsschr Kinderheilkd 6 2024. 172:494-503.
  4. Castellani et al. Standards of the care of people with cystic fibrosis (CF): A timely and accurate diagnosis. Journal of Cystic Fibrosis 2023. 22:963-968.